Apophtegmata Patrum - Väterweisung

Abbas Paulos der Ältere: Götzendienst

Zurück zur Auswahl       diese Seite ausdrucken       Fenster schliessen



Einmal berichtete ein Abbas von einer Begebenheit, die er vor einigen Jahren von einem Israelpilger erzählt bekam, auf die Frage, wie er dazu komme sich auf eine so lange und beschwerliche Reise zu machen:

"Ich traf nach der Versammlung am Herrentag auf Abbas Paulos den Älteren, der erschöpft an der Kirchenmauer lehnte. Ich gab ihm aus meiner Wasserflasche zu trinken und wir kamen ins Gespräch. Da erzählte er mir auf mein vielfaches Drängen - wohl um mich los zu werden - folgende Begebenheit.

Er hat einen Schüler gleichen Namens. Beide lebten getrennt voneinander und verliessen ihr Kellion nicht. Sie besuchten immer am Herrentag die Versammlung und selten einer den anderen. Eines Tages besuchte Abbas Paulos seinen Schüler in aller Frühe und fand diesen beunruhigt. Er setzte sich schweigend an den ihm zugewiesenen Platz. Nach einer Weile des Schweigens drängte es den Schüler den Alten um ein Wort zu bitten, worauf dieser begann:

Kurz vor Sonnenaufgang hatte ich einen Traum in zwei Teilen:
Der erste Teil: Ich stand in einer grossen, weiten Kirche. Es war kein Mensch zu sehen - die Kirche war menschenleer! Ich hatte grossen Hunger und suchte verzweifelt nach Brot. Lange und überall suchte ich in dem Kirchengebäude: auf und unter den Bänken, im gesamten Kirchenschiff, im Chorraum, am Hochaltar - einfach überall... Endlich fand ich Brot: Es war versteckt, auf der linken Seite, im Kirchenschiff vorne beim Marienaltar - So konnte ich endlich meinen Hunger stillen.
Der zweite Teil: Wieder stand ich in demselben grossen, weiten Kirchengebäude. Diesmal war das Kirchengebäude voll besetzt! Alle Personen darin waren in rote, kardinalrote Gewänder gekleidet und schauten mit wichtigen Minen nach vorne in Richtung Altar. Es waren ausschliesslich kirchliche Amts- und Würdenträger. Wieder verspürte ich grossen Hunger und ich suchte in dem voll besetzten Kirchengebäude nach Brot. Es war sehr mühsam zwischen den Bänken und überall nach Brot zu suchen. Die rot gekleideten Personen kümmerten sich nicht darum, daß ich Hunger nach Brot hatte, denn es war etwas anscheinend sehr Wichtiges im vorderen Bereich des Kirchengebäudes, dort, wo der Altar ist. Überall durchsuchte ich das ganze Kirchengebäude, auch im Altarraum und in der Sakristei. Ich fand nirgends Brot! Schliesslich ging ich zum Haupteingang des Kirchengebäudes, stellte mich mitten in den Eingang und schaute nach draussen in die entgegengesetzte jener Richtung in die die kirchlichen Würdenträger schauten. Dort stand eine unübersehbar grosse Menschenmenge: Familien, alte und junge Menschen - dicht an dicht - Alle schauten in Richtung des Kirchengebäudes. Keiner konnte herein,weil das Kirchengebäude voll besetzt war. Da sah ich, wie sich mitten aus der draussen stehenden Menge ein einfacher, schwarz gekleideter katholischer Ortspriester mit römischem Kragen den Weg durch die Volksmenge nach vorne bahnte. Er stellte sich vor die Menge vor das Kirchenportal. Die riesige Volksmenge im Rücken blieb er in einigem Abstand von der Kirche stehen und schaute zu mir. Das war mein Traum."

Der Schüler wurde im Verlaufe der Erzählung immer unruhiger und als die Rede des Abbas beendet war senkte der Schüler den Blick, um seine Unruhe zu verbergen. Abbas Paulos wartete. Nach einer Zeit des Schweigens bat er ihn seinerseits um ein Wort, worauf der Schüler begann:

Kurz vor Sonnenaufgang hatte ich ebenfalls einen Traum in zwei Teilen:
Allgemeine Aufbruchstimmung auf einem deutschen Grossflughafen. Sehr ruhige und geordnete Atmosphäre. Die Zeit drängte zwar, es gab aber keine Hektik. In der Luft lag ständig der kategorische Spruch: EXODUS - AUSZUG AUS ÄGYPTEN. Ich befand mich mit vielen Familien, Paaren und einigen wenigen Einzelpersonen in der Flughafen-Wartehalle. Jede Person hatte ein 1way-Ticket. Alle wurden zum Gateway geführt und stellten sich am Checkpoint an. Ich stellte mich als letzter hinten an. Unser Flugzeug war das Letzte von sehr vielen. Am Gateway zeigte jeder seinen Pass. Ich zeigte der Bediensteten am Checkpoint meinen Pass - als Passfoto war das Portraitbild des Barmherzigen Jesus von Sr. Faustina abgebildet, worüber ich mich insgeheim wunderte. Die Bedienstete lächelte freundlich und hiess mich ins Flugzeug gehen. Das Flugzeug hatte die Grösse etwa eines Airbus A310. Drinnen im Flugzeug waren alle überflüssigen Teile ausgebaut. Es gab keine Sitze oder Fächer, keine Wandverkleidungen, etc.. damit so viele Personen, wie möglich hineinpassen. Der gesamte Flugzeuginnenraum war in Abteilungen eingeteilt mit halboffenen Abteilungswänden, rechts und links vom Durchgang in der Mitte - für jede Familiengemeinschaft eine. Es sah alles improvisiert aus. Die Ausstattung war extrem spartanisch und für eine nur kurze Flugzeit ausgelegt. Es gab Halteriemen und Gurte zum Festhalten und zum Anschnallen. Es gab ab und zu Säuglingsgeschrei und allgemeine normale Unterhaltung an Bord. Das Cockpit war durch eine Glaswand mit einer Glastür vom übrigen Passagierraum getrennt. Es gab nur einen Piloten auf dem linken Pilotensitz. Man konnte sehen, was er tat. Ich selbst saß etwa vier Meter hinter ihm auf der linken Seite im Passagierraum mit anderen Passagieren. Das Flugzeug rollt zum TakeOff, erhält Starterlaubnis und startet. Anfangs in normalem Steigwinkel, überzieht es jedoch aus unbekanntem Grund. Das Flugzeug wird langsamer - etwas stimmt nicht - der Pilot schimpft und bricht den Steigflug ab. Das Flugzeug macht eine Schleife, kehrt zurück und landet wieder auf dem Flugplatz. Es rollt nach der Landung sofort zurück zur Startposition. Bei laufenden Turbinen steht der Pilot auf, verlässt seine Pilotenkanzel, kommt auf mich zu und sagt: Komm mit. Wir müssen den Piloten suchen! Wir steigen beide aus und beginnen sofort mit der Suche... . Das war mein Traum.

Abbas Paulos schwieg lange Zeit. Im Weggehen sagte er: "Dies betrifft eine Zeit der Verwirrung, eine Zeit, in der in Jerusalem hohe Mauern stehen, eine Zeit der Bedrängnis in der jeder, ob gross, ob klein, vor die Wahl des Götzendienstes gestellt sein wird - innerhalb und ausserhalb der Versammlung. Das Zeichen des Götzendienstes wird sein das Zeichen an der Hand und das Zeichen auf der Stirn - ein Merkmal, ohne das keiner kaufen oder verkaufen kann, ein Merkmal, durch das der Mensch zum Bestandteil des Götzen wird, ein Merkmal, durch das der Mensch auf der ganzen Erde seine göttliche Freiheit eintauscht in die Gefangenschaft des Götzendienstes."

Da sagte der Schüler betroffen: "Wer kann dem entgehen?" Der Alte antwortete: "Das Gebet in Demut: Überwinde in Demut die Trägheit, kämpfe in Demut gegen Habsucht und gegen Gedanken der Verleumdung in dir, stehe wieder auf, wenn du gefallen bist, fliehe in die Arme unseres Erlösers und du wirst gerettet werden."



Abbas Paulos der Ältere, 1







...nach oben

Zurück zur Auswahl       diese Seite ausdrucken       Fenster schliessen



Diese Seite gehört zu dominus-iesus.de