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Feminismus und christliches MenschenbildPfr. Winfried Abel, FuldaIn einem Lied aus dem hohen Mittelalter wird Maria als "Kaiserinne" gepriesen, – als die höchste und erhabenste unter allen Frauen. Neutestamentliche Worte klingen hier an: "Du bist gesegnet unter allen Frauen". Anders übersetzt "vor allen Frauen" oder "in dir sind gesegnet alle Frauen" Lk.1,42). Wenn wir diese Frauengestalt genauer betrachten, die als "Kaiserinne" und als eine offene Schale für die Gnade und Huld Gottes besungen wurde, dann haben wir vor Augen die Betende, die Wartende, die Hörende, die Horchende, die Gehorchende. Im Magnifikat sieht sie sich selber als die von der Gnade Gottes Überwältigte und Überrumpelte, die es nicht verstehen kann, daß Gott auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut hat. Dieses Marienbild hat im Lauf der Jahrhunderte und in der neuesten Zeit eine Wandlung – ja ein Umkehrung erfahren, vor allem in dem krassen Feminismus. 1. Was ist Feminismus?Eigentlich müßte Feminismus eine Mutterschaftsbewegung sein. Vom etymologischen Ursinn des Wortes her bedeutet ‘femina’ säugende Frau bzw. säugendes Tier, -also mütterliches Wesen. Das lateinische Wort ‘femina’ drückt etwas aus, was zum Wesen des Frauseins gehört: nämlich Mutterschaft.Der ideologische Feminismus hat sich bewußt von dem Gedanken der Mutterschaft gelöst. Er versteht sich als eine Emanzipationsbewegung von Frauen, die die Mutterschaft als eine Belastung verstehen und deshalb alles tun möchten, was Mutterschaft verhindert. Sie möchten sich befreien von der Last des Frauseins, dessen Privileg es zu allen Zeiten war, Mutter zu sein! Das Wort "Emanzipation" kommt von dem lateinischen Wort "manicipium". Dieser Begriff des Römischen Rechts bedeutet ursprünglich "Eigentumserwerbung mit uneingeschränkter Gewalt", - so wie man sie über den Sklaven oder die Sklavin ausübte. Wenn Frauen heute das Wort "Emanzipation" auf sich selber anwenden, wollen sie damit sagen: "wir sind bisher versklavt gewesen, wir müssen uns aus der Herrschaft des Mannes befreien und selbst die Herrschaft ergreifen". Das Wort "Feminismus" wurde bis zum Jahre 1968 als Schimpfwort gebraucht, das man auf Frauen anwandte, die sich würdelos gebärdeten und aus der Rolle fielen. Man hielt sie, wenn sie sich wie Männer aufführten, für verrückt, für einseitig, für fanatisch. Doch seit dem Jahre 1968 ist dieses Wort ein Modewort geworden und erfuhr in der Frauenbewegung eine ideologische Umdeutung. Es gab auch früher schon Frauenbewegungen – also nicht erst in unserer Zeit oder in unserem Jahrzehnt. Im 19. Jahrhundert war eine führende Person in der Frauenbewegung Helene Lange. In einem Aufsatz 1895 schreibt sie: "Hat die Frau nur die Eigenschaften des Mannes in die Kulturentwicklung einzusetzen, so wird diese weit besser von den Männern versorgt. Die ganze Stärke der Frauenbewegung liegt einzig und allein in der Auffassung, daß die Frau anatomisch bis in die Zehenspitzen anders geartet ist als der Mann – es auch psychisch ist. Daß sie also andere, bisher gering und gar nicht vertretene Eigenschaften für die Entwicklung der Kulturmenschheit dienstbar machen kann." Das ist die Sprache der Frauenbewegung des vorigen Jahrhunderts! Hier werden deutlich Eigenart und Wert der Frau hervorgehoben und - zu recht! - als ein wichtiges Kompositum für eine Kulturgesellschaft gesehen. Der heutige Feminismus leugnet genau diesen Gedanken. Er behauptet, daß eine ausgesprochen weibliche Natur rein anatomisch nicht nachweisbar sei. Die Vertreterinnen des Feminismus beziehen sich auf die Genetik von Mann und Frau und auf ihre fötale Entwicklung im Mutterleib. Sie berufen sich auf Sigmund Freud, der die beiden Seelenanteile "Animus" und "Anima" (männlich und weiblich) bei jedem Menschen in einer unterschiedlichen Mischung findet, so daß also auch bei einem Mann die ‘Anima’ – die ‘weibliche Seele’ – neben dem ‘Animus’ existiert, und bei der Frau entsprechend neben der ‘Anima’ der ‘Animus’. Demzufolge gibt es auch eine Mischung von männlichen und fraulichen Anteilen, die beide gleich-stark vorhanden sind, so daß im Sinne des Feminismus heute der "Einheitsmensch" möglich ist, bei dem Mann- und Frausein in beiden Körpern und in beiden Seelen voll verwirklicht sein können. Feminismus ist also in der Form, wie er heute in der Gesellschaft und in der Kirche auftritt, etwas Neues. Es geht dabei nicht mehr um die Gleichberechtigung der Frau. Die Gleichberechtigung der Frau ist in der Kirche prinzipiell immer vertreten worden, auch wenn sich Christen immer wieder gegen sie versündigt haben. Man kann das leicht anhand von Beispielen aus der Missionstätigkeit der Kirche nachweisen, gerade in den Ländern, in denen die Frau total unterdrückt war – in Japan zum Beispiel. Wo immer dort eine Familie das Christentum annahm, wurde die Frau zugleich befreit, weil ihr die Gleichwertigkeit zuerkannt wurde – und sie sich darin auch entfalten konnte. Es geht den Vertretern des Feminismus also nicht mehr um die Gleichberechtigung, sondern um neue gesellschaftliche Strukturen! Es geht um den Traum einer völlig anderen Gesellschaft. Eine Vertreterin des Feminismus, wenn auch in gemäßigter Form, ist Rita Süßmut, unsere Bundestagspräsidentin. Sie vertritt vehement die Ansicht, daß es eine "geschlechterspezifische Arbeitsteilung" in unserer Gesellschaft nicht mehr geben darf. Angestrebt wird eine Quotenregelung, die besagt, daß in jedwedem Entscheidungsgremium, in jedwedem wirtschaftlichen Prozeß, 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen vertreten sein müssen. So etwa stellt sich das Ideal des Feminismus dar, sofern er nicht gar über das Ziel hinausschießt und proklamiert: "Die Frau hat lange genug gelitten – jetzt sind wir einmal dran!" Die drei Kampfbegriffe des strengen Feminismus heißen:
2. Die Wurzeln des Feminismusa. MarxismusDer moderne Feminismus hat seine Wurzeln ganz eindeutig im Marxismus. Lassen Sie mich aus dem Buch "Die Heimkehr der Russischen Seele" von Viktor Alimov (1993) diesbezüglich eine Passage zitieren: "...Weltbekannt sind die zwei ersten Dekrete der Sowjetregierung vom 26. Oktober 1917 über den Frieden und über den Grundbesitz. Nur wenige wissen aber etwas über das dritte Dekret der Sowjets vom 19. Dezember des gleichen Jahres über die Ehescheidung. Schon im folgenden Jahr erschien die Verordnung über das 'Recht der Frau‘, frei über die Frucht zu verfügen (gemeint ist die Leibesfrucht). In jene Zeit gehört auch das kuriose Dekret über die ‘Nationalisierung der Frauen’ vom 28. Februar 1918, wonach alle Frauen im Alter von 17 bis 32 Jahren dem Privatbesitz entzogen und zum ‘Gemeingut des Volkes’ erklärt wurden. Das Dekret bestimmte die Regeln über die Registrierung und Nutzung der Frauen als Exemplare des Volkseigentums. Die Männer bekamen das Recht ein und dieselbe Frau nicht häufiger als dreimal wöchentlich, und nur drei Stunden lang, zu benutzen. Vorher mußte dem Mann vom Werkskomitee bzw. von der Gewerkschaft oder dem örtlichen Sowjet ein Zeugnis über seine proletarische Abstammung ausgestellt werden. Darüber hinaus mußte der Mann 9 Prozent seines Gehaltes zum Zweck der Erziehung neugeborener Kinder in sogenannten ‘Volkskrippen’ abgeben... Hier noch einige Aphorismen, die den proletarischen Massen in den Jahren 1920/21 beigebracht wurden: 'Die Ehe ist ein Überbleibsel der bürgerlichen Sitten' – 'Die Ehe ist eine Form wirtschaftlicher und geistiger Versklavung der Frau' – 'Die Frau wird nicht frei, solange die Ausbeutung ihres Körpers durch das bürgerliche Institut der Familie besteht' – 'Eine familientreue Frau ist eine mangelhafte Mitarbeiterin' – 'Das Familienleben ist für die Frau eine Form, der produktiven Arbeit auszuweichen'... Die erste unmittelbare Folge der Befreiung der Frau von der Schmach der bürgerlichen Ehe, wie man sagte, war ein sprunghafter Anstieg der Geschlechtskrankheiten. Einzelne Meldungen erschienen bereits 1921. Im folgenden Jahr wurde klar, daß es sich um eine regelrechte Epidemie handelte, die ganze Städte und Dörfer ergriff. Daneben versuchte man, der Kirche das Umsichgreifen von Geschlechtskrankheiten in die Schuhe zu schieben. Es wurde behauptet, die Ansteckung werde durch die Aufnahme des heiligen Sakramentes gefördert. So wurde die sittliche Autorität der Kirche in Familienfragen durch eine Kontrolle seitens der Staatsbürokratie ersetzt..." Dieses Zitat belegt, daß der strenge Marxismus, der von Karl Marx, von Friedrich Engels und von August Bebel vertreten wurde, dafür plädierte, daß es eine neue, klassenlose Gesellschaft geben müsse, in der es auch keine hierarchische Ordnung mehr – auch nicht die des Mann- und Frauseins - geben dürfe, – daß jegliche Herrschaft des Menschen über den Menschen aufzuheben sei. Friedrich Engels und August Bebel erklärten damals: "Am Anfang der Menschheit stand das Matriarchat und nicht das Patriarchat. Ursprünglich gab es keine Familie. Die Familie ist eine bourgoise Erfindung, durch welche der Mann sich die Herrschaft über die Frau errungen hat. Deshalb ist die Familie immer eine Form der Ausbeutung." Diese ideologische These konnte von ihren Vertretern natürlich nie ernsthaft begründet werden. Wenn wir an das Jahr 1968 zurückdenken, dann erinnern wir uns, daß damals der Begriff von der "antiautoritären Erziehung" in Mode kam. Eltern sollten nicht einmal mehr ihre Kinder erziehen! Diese sollten selbst finden, was ihnen gut tat. Damals hörte ich eine Radiosendung über studentische Wohngemeinschaften, in denen man multisexuell zusammenlebte. Als ein Reporter an ein Mitglied einer solchen "WG" die Frage stellte, warum sich die Wohngemeinschaft am Ende in Streitigkeiten und Auseinandersetzungen aufgelöst habe, sagte die befragte Person: "Weil sich noch Restbestände von religiösem und kirchlichem Denken in den Köpfen einiger Mitglieder befanden, die noch nicht ausgerottet waren." Nun forderte also der Marxismus die Abschaffung der Familie, die Eingliederung von Mann und Frau in den Produktionsprozeß und die öffentliche Kindererziehung. Die Schwangerschaft überließ man der Technologie. Die körperliche Prägung von Mann und Frau wurde radikal abgelehnt. b. Existentialismus Dieses Gedankengut des Marxismus wurde in einem zweiten Gang übernommen von der Philosophie des Existentialismus. Hervorragende Vertreter: Jean-Paul Sartre und seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir. Letztere, von Frau Süßmut hoch verehrt, schrieb im Jahre 1949 das Buch "Das andere Geschlecht", das von Alice Schwarzer die "Bibel des Feminismus" genannt wird. In diesem Buch vertritt Simone de Beauvoir einen neuen Freiheitsbegriff. Der "autonome Mensch" ist das Ideal, der Mensch, der nicht mehr in Abhängigkeiten steht, – auch nicht in der Abhängigkeit von einer moralischen Instanz, die etwa ein metaphysisches Wesen – also Gott – sein könnte! Der autonome Mensch soll selbst bestimmen können, was er sein und tun möchte. Da es keinen Schöpfer gibt, muß der Mensch sich selber schaffen. "Der Mensch ist nichts anderes", sagt Sartre, "als wozu er sich selber gemacht hat". Und wenn die Gesellschaft ihn einseitig geprägt hat und dadurch bestimmte gesellschaftliche Muster von Mann- oder Frausein in ihm geweckt hat, so müssen diese sofort zerstört werden, damit der Mensch sich selber schaffen kann. Simone de Beauvoir schreibt: "Man kommt nicht als Frau zur Welt, – man wird es. Kein psychologisches, psychisches, wirtschaftliches Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen in dem Schoß der Gesellschaft annimmt." In den Frauenbewegungen der USA, die diese Sicht aufgegriffen und verbreitet haben, unterscheidet man zwei Strömungen: Die eine Strömung vertritt den sog. "Gleichheitsfeminismus", der überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen Mann und Frau sieht, – also ganz im Sinne von Beauvoir: "Du bist als Frau genauso genetisch und körperlich wie der Mann. Du mußt dich nur dazu machen. Du mußt alle Mittel in die Hand nehmen, um dem Manne gleich zu werden." Die zweite Strömung nennt sich "Gynozentrischer Feminismus" – im Gegensatz zum androzentrischen Menschenbild: die Frau muß den gesellschaftlichen Mittelpunkt bilden. Sie ist die eigentliche Schicksalsperson (schon Gertrud von Le Fort hat die Frau als "Schicksalsperson" der Menschheit gekennzeichnet, wenn auch in einem ganz anderen Sinn!). Der gynozentrische Feminismus zählt als Vorzüge der Frau auf: sie sei biologisch allein in der Lage, Kinder zu gebären und zu ernähren. Neben ihrer sexuellen Überlegenheit habe sie eine höhere Lebenserwartung, sowie eine größere Resistenz gegen Krankheiten. Seelisch seien Frauen sensibler und intuitiver, – im sozialen Bereich rücksichtsvoller und kooperativer, – auf der geistigen Ebene zu ganzheitlicher Wahrnehmung befähigt und weniger geneigt, die Wirklichkeit spalterisch aufzugliedern. Diese Vorzüge geben durchaus die Wirklichkeit wieder, werden aber einseitig ausgelegt, nämlich in dem Sinne, als sei die Frau besser als der Mann. Das christliche Menschenbild sieht dagegen die Frau mit ihren Vorzügen als Ergänzung des Mannes, und den Mann - mit seinen Vorzügen - als Ergänzung der Frau. Die Frau ist sozusagen der "Blindenstock" für den Mann – dort wo er nicht sehen kann, – und der Mann ist der Blindenstock für die Frau, dort wo sie auf Hilfe angewiesen ist. Sie führen sich gegenseitig, sind aufeinander angewiesen und freuen sich aneinander! Sie brauchen einander und lieben einander...- eben in ihrer Andersartigkeit, die ihre Gleichwertigkeit in keiner Weise in Frage stellt! Das christliche Menschenbild ist also wesentlich farbenfroher, als der menschenverachtende Marxismus, der wie eine plumpe Dampfwalze die Gesellschaft plattmachen möchte. Aus dieser Art des Feminismus wird schließlich eine neue Einheitsreligion. Es gibt keinen seinsmäßigen Unterschied – auch metaphysisch - zwischen Gott und Mensch. Mensch ist Gott und Gott ist Mensch – so sagen die Feministen, die aus ihrer Ideologie eine Religion machen. Es gibt bei ihnen auch keinen Unterschied zwischen Engel und Teufel. Sie verherrlichen den Satan und preisen ihre Bewegung als ‘Hexenbewegung’, – nennen sich selbst sogar ‘Hexen’, ‘neue Hexen’! Früher habe man sie verbrannt, weil sie für die "Rechte" eintraten und die Gesellschaft verändern wollten. Heute wollen sie sich endlich durchsetzten. "Der Mensch hat die Fähigkeit, sich selber zu erlösen..." So ungefähr sind die Gedanken in dieser neuen Frauenreligion. 3. Die neue FrauenbewegungIm Jahre 1976 war in Amerika die erste "Nationalkonferenz für Frauenspiritualität" in Boston/Massachussetts. Dort tanzten barbusige Frauen in der Kirche und sangen: "Die Göttin lebt!" und: "Weiblich sein ist göttlich". Die Konferenz empfahl den Frauen, sie möchten zu Hause einen Altar mit einem Spiegel aufstellen, um beim Hineinschauen ständig daran erinnert zu werden, daß sie die Göttin seien.Was für eine armselige Religion ist das, wenn der Mensch Gott nur sehen kann, wenn er in den Spiegel schaut, um dann die Fratze seines unerlösten Ich zu betrachten! Der Theologische Feminismus hat seine Hauptvertreterin in der aus dem Kloster ausgetretenen Ordensschwester Mary Daly, die 1973 das Buch "Beyond God the Father" ("Jenseits von Gott dem Vater") schrieb. Hier propagiert sie statt einer Theologie, eine ‘The-a-logie’, – also nicht mehr das Sprechen von Gott als Mann, sondern von einer Göttin als Frau, – sofern überhaupt noch von Gott die Rede sein soll. Denn schließlich wird alles Reden über das Göttliche so schwammig, daß es schließlich in der Schöpfung verschwimmt und mit ihr identisch gesetzt wird. Am Ende ist der Mensch selber die Göttin oder das Göttliche. Nach Mary Daly beginnt die Zeitrechnung nicht mehr ‘Anno Domini’ – sondern ‘Anno Feminarum’ (im Jahr, als das Frauliche sichtbar oder wirksam wurde). Sie verwirft den Begriff der Frau als Schöpfung Gottes, denn für den autonomen Menschen darf es keinen Schöpfer geben! Er muß selber zum Schöpfer werden. Die Frau als Geschöpf Gottes ist für dem extremen Feminismus ein rotes Tuch! Mary Daly sieht also den Menschen ähnlich wie Simone Beauvoir. Der Mensch kommt nicht als Frau oder Mann zur Welt, sondern er wird entweder durch die Gesellschaft das, was er ist, oder hat die Macht, sich selber zu schaffen. Mary Daly greift die Gedanken über das "Wesen der Frau", die Gertrud von Le Fort in ihrem Buch "Die Ewige Frau" darlegt, heftig an: es gibt kein Wesen Frau! Wenn man sich die schmallippigen und verhärteten Gesichter solcher Feministinnen anschaut, muß man sagen: sie haben auf ihre Weise recht! Das Frausein, das sie verkörpern sollten, ist in ihnen gänzlich verkümmert oder verbogen, und ihr gewolltes Mannsein hat sie so verfremdet, daß man solchen Frauen niemandem als Mutter empfehlen möchte. In ihrem Buch "Beyond God the Father" sagt Mary Daly, daß alles Reden von "Gott Vater" überflüssig sei. Es müsse "kastriert" werden, - ja, Gott müsse "kastriert" werden. Es gebe keinen persönlichen Gott. Gott und Welt sind ein und dasselbe. Mit ihrem Buch nimmt Mary Daly also nicht nur Abschied vom Kloster, sondern vor allem vom Christentum, und baut sich eine neue, pantheistische Religion zusammen. Wie in jeder feministischen Strömung wird vor allem eines radikal abgelehnt: die Komplementarität von Mann und Frau: daß Mann und Frau einander zur Ergänzung gegeben sind, daß sie einander bedürfen, und daß der Reiz des Mann- und Frauseins - besonders in der Ehe - darin liegt, daß der eine des anderen "Blindenstock" sein darf. Ja selbst der zölibatäre Mann braucht dieses Anderssein, das Frauliche! Auch hier gilt, was Goethe in einem anderen Zusammenhang sagt: "Das ewig Weibliche zieht uns hinan". Auch der zölibatär lebende Mann kann sich ohne das Gegenüber der "weiblichen Kirche" und des "personhaften Gottes" nicht wirklich geistlich entfalten. Mary Daly schafft eine Antikirche, die sie ganz bewußt "Antichrist" nennt. Weil das vorfindliche Christentum eine Verfälschung durch die Männerwelt ist, will sie eine "antichristliche Kirche" im Sinne einer "Frauenantithese" ins Leben rufen. Sogar das Kreuz und die Kreuzigung Jesu werden dabei verhöhnt. Dem Kreuz als "Folterwerkzeug" wird der "weibliche Baum des Lebens" gegenübergestellt: "Im Gegensatz zum Gekreuzigten steht die Feministin fest auf der Erde, ihrer Selbst gewiß, sich auf die Mitte ihrer Selbst zubewegend." Das Gebet wird, weil es keinen persönlichen Gott gibt, ebenso abgelehnt. Statt des Betens wird das "Spinnen" eingeführt. Die Frauen wollen "spinnen" – d.h. sich auf die Mitte zubewegen, eine selbstzentrierte Reise nach innen machen, wo das Zentrum des kosmischen Zyklons - das Ich.- sagen kann: "Ich bin". Das ist eindeutig die Sprache der Esoterik! Im Jahre 1971 erschien ein "Wörterbuch der feministischen Theologie", an dem 80 Autorinnen mitgewirkt haben. Die Redaktion bestand aus drei evangelische und drei katholische Theologinnen. In diesem Werk wird das Gedankengut der Mary Daly weitergeführt: die gegenseitige Ergänzung von Mann und Frau abgelehnt, Ehe und Familie nur als ein "möglicher Lebensentwurf" gesehen, die Abschaffung der "Zwangsheterosexualität" in der Ehe bzw. Partnerschaft gefordert und jegliche Form von Hierarchie nicht nur beargwöhnt, sondern verteufelt. Denn die Hierarchie, egal in welcher Form, ist eine Verkörperung des Bösen an sich, -auch die Hierarchie, die im Menschen selber besteht, etwa in der Unterordnung des Leibes unter die Seele. Der scholastische Theologie, die die Seele als "Formprinzip des Körpers" bezeichnet, macht man den Vorwurf, das Körperliche mit allen seinen Trieben verteufelt zu haben. Natürlich wird in die geforderte Autonomie der Frau auch die Abtreibung mit einbezogen. Denn: ein Kind kriegen "müssen" schafft Abhängigkeiten, die einer Frau, die sich emanzipieren will, nicht zugemutet werden können. In diesem Zusammenhang ist es verständlich, daß auch die moderne Tiefenpsychologie einen starken Einfluß auf den Feminismus hat. Die evangelische Pfarrerin Jutta Voss sieht z. B. in den Märchen alle Phänomene archetypisch vorgebildet, die sich in unserer Gesellschaft wiederfinden. So deutet sie das Märchen vom "Tapferen Schneiderlein" folgendermaßen: Der Kampf des Schneiderleins mit der wilden Sau versinnbildet den Kampf der Männerkirche gegen die Frau. Wie das Schneiderlein die Sau in der Waldkapelle einsperrt, so behindert die Kirche seit Jahrhunderten die Frau in ihrer Selbständigkeit. Die Frau ist daher von der kraftvollen Wildsau zum rosa Hausschweinchen mit vielen Ferkeln geworden, also zur Mutter mit möglichst vielen Kindern. Diese Entwertung hat sie sich schließlich selber zu eigen gemacht. Eine weitere Vertreterin des extremen theologischen Feminismus ist Elga Sorge, die einst in Kassel ihren Lehrstuhl hatte und sich selbst als "Göttin" bezeichnete. Obwohl es in den Evangelischen Landeskirchen nur selten ein Amtsenthebungsverfahren gibt, hat man Elga Sorge, die nicht mehr "Helga" heißen wollte, aus dem Dienst entfernt mit der Begründung, "für Götter und Göttinnen hat die Landeskirche keinen Stellenplan". Seit 1988 hat die "Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands" (KFD) das Titelbild ihrer Zeitschrift "Frau und Mutter" verändert und "FRAU" groß, dagegen "mutter" klein geschrieben. Als der Fuldaer Bischof Johannes Dyba daran Kritik übte, bekam er heftigen Gegenwind von der Redaktion der Zeitschrift und der Leitung der KFD. 4. Feministische TheologieDer Feminismus lehnt also die Vaterschaft und die Präexistenz Gottes ab und setzt an seine Stelle eine alles umfassende "Matrix", die Mutter Erde, ein gebärendes Weltei, eine mütterliche Quelle, – kehrt also zurück zur Naturreligion!Während ich mich auf diesen Feminismus-Artikel vorbereitete, erhielt ich einen Brief von einer Lehrerin aus dem Fränkischen, die mir schrieb: "Gerade in der letzen Woche fand in Würzburg eine sogenannte "FRAUENWOCHE" statt. Das Motto hieß "Leiten statt leiden". Es zeigt, wie verhärtet und auch verblödet diese Feministinnen sind. Kann man den leiten, ohne zu leiden? Aber sie meinen ja "herrschen". Begründung ihres Mottos war übrigens: "Leiden schadet der Schönheit", womit ihre ganz und gar materialistische Sicht, die sie von sich haben, deutlich wird. Ferner fand ein Seminar statt, in dem die Frauen wieder lernen sollten, wie man wieder "Jahreskreisfeste" feiert, – sozusagen ein Rückfall in die Naturreligionen. Und das ausgerechnet bei denen, die sich etwas auf ihr aufgeklärtes Bewußtsein einbilden." Die Anrede "Abba, lieber Vater!", wie Jesus uns gelehrt hat – übrigens eine der schönsten Offenbarungen aus dem Munde Jesu –, wird von den Feministinnen "respektlos" genannt. Jede Form von Gehorsam – schon das Wortes "Gehorsam" löst ein Trauma aus! – wird zurückgewiesen. Das Lebensmotto Jesu "Gehorsam bis zum Tod am Kreuz" (Phil.2,8) und der Inhalt seiner Sendung, "den Willen des Vaters zu tun" (Joh.4,34), machen keinen Sinn mehr. Am Beispiel "Heiliger Geist" weist die feministische Theologie nach, wie sich die Bedeutung eines Wortes im Lauf der Zeit verändern kann. Das hebräische Wort "ruach" ist ursprünglich weiblich. Im Griechischen wurde es bereits sächlich zu "pneuma"; und im Lateinischen wird es schließlich männlich zu "spiritus". An diesem Beispiel glauben die Anhänger der feministischen Theologie einen deutlichen Beweis dafür zu haben, daß alles einmal weiblich begonnen hat – mit einer Mutter Erde, die, von einem mütterlichen Geist durchweht, eine Quelle des Lebens geworden ist, aus der alles entstanden ist. Die Erschaffung der Welt aber, so wie die Bibel sie lehrt, wird als "patriarchalisch" abgelehnt. Und eine "Mannwerdung" Gottes in der Menschwerdung Christi ist als frevelhaft oder gotteslästerlich anzusehen, weil gerade die Mannwerdung Gottes in Christus jeglicher Unterdrückung der Frau in der Welt Tür und Tor geöffnet hat. Deswegen muß auch die Christusanbetung als Götzenanbetung verworfen werden. Der Mythos der Sünde muß überwunden werden. Wenn es eine Sünde gibt, dann ist es die Sünde des Patriarchalismus. Schließlich ist der Mythos von der Erlösung, der zum Inhalt hat, daß der Mensch einen Gott-Menschen braucht, der ihn erlöst, männliche Arroganz. Die Grundzüge dieses hier vorgetragenen Feminismus sind in ihrer Wurzel atheistisch. Wer an keinen Schöpfer mehr glaubt, mit dem ist nicht mehr zu argumentieren. Es gibt heute viele Christen, die sich auf einen fiktiven Christus berufen, aber nicht mehr an Gott glauben. Was für sie "Gott" ist, kann aus christlicher Sicht nur als pantheistische Wesenheit bezeichnet werden. Wer mit dem christlichen Glauben so selektiv umgeht, daß er für sich nur das herausnimmt, was in sein Weltbild hineinpaßt, der begeht eine bejammernswerte Engführung. Wer wirklich an Gott glaubt, kann nicht an irgendeiner Stelle "ja" sagen und dafür eine andere Wahrheit abschwächen oder gar ablehnen. Entweder glaube ich ganz oder gar nicht. Es geht im Glauben immer um alles oder nichts. So ist es auch mit dem Feminismus. Ein Körnchen Wahrheit ist auch in dieser Lehre zu finden. Wer aber das Körnchen Wahrheit zum Kosmos erklärt, gerät unweigerlich in die Sackgasse einer Irrlehre! Mir scheint das moralische Problem der Vertreter des Feminismus zu sein, daß sie nicht bereit sind, sich einem Schöpfer zu unterwerfen und in aller Bescheidenheit oder Demut das offenbarte Glaubensgut anzunehmen. Deshalb gibt es für sie auch keine "Sünde"; und es ist für sie menschenunwürdig, einen Erlöser zu akzeptieren, wo doch der Mensch in der Lage ist, sich selbst zu erlösen.... Eine namhafte Feministin sagt: "Es gibt eigentlich nur eine einzige Sünde der Frau: wenn sie anstelle der Autonomie die Bindung und die Unterwerfung sucht. Eine Frau solle sich vielmehr beständig einreden: "Ich bin gut...Ich bin ganz...Ich bin schön." Indem sie das tut, vertreibt sie ihre Schuldgefühle. Das Kirchenbild des Feminismus ist dementsprechend weniger ein religiöses als ein politisches Konzept. Elisabeth Schüssler-Fiorenza, eine führende Feministin in Amerika, definiert das so: "Ekklesia – Kirche – ist die Zusammenkunft freier BürgerInnen, die sich versammeln, um ihre spirituell-politischen Angelegenheiten selbst zu bestimmen." Man kann sich vorstellen, daß in ein solches Kirchenbild kein Gott mehr hineinpaßt, auch keine von Christus gestiftete Hierarchie, weil ja schließlich alle demokratisch sein wollen und in derselben Weise ihren Anteil an der Herrschaft fordern. Diese Art feministischer Theologie hat schließlich auch einen eigenen Ritus entwickelt, den Rosemarie Rüter, entwickelt hat. Ihr "Rituale" ist 1988 in Stuttgart erschienen. Hier sind die Überschriften, die sie für die verschiedenen Zeremonien und Sakramente gewählt hat: Menstruations- und Neumondrituale – Sommersonnenwende – Zeremonie für das Bündnis eines lesbischen Paares – Liturgie der Menopause. Dann gibt es in besagtem Rituale auch eine "Taufe", die als die Befreiung vom Patriarchat verstanden wird. Auch ein Ritual der "Versöhnung" wurde entwickelt, entsprechend unserer Beichte: nicht das Sündenbekenntnis eigener Schuld kommt darin zur Sprache, sondern die wütende Anklage gegen das Patriarchat. Das bewirkt die eigentliche Reinigung des Menschen von Schuld. Denn Schuld ist für Feministinnen nur dort gegeben, wo eine Frau ihre Autonomie ablegt und sich in neue Bindungen hineinbegibt. 5. Die Sprache als Mittel der IndoktrinationSelbstverständlich hat der Feminismus auch seine eigene Sprache entwickelt. Hier in Fulda hat sich z.B. vor kurzem folgende kleine Episode zugetragen. Wir erhielten die Wahlmitteilung für die Wahl des Oberbürgermeisters zugestellt. Zur Wahl standen: 3 Kandidaten, also drei Männer. Dennoch stand auf der Wahlbenachrichtigung "Mitteilung für die Wahl der Oberbürgermeisterin / des Oberbürgermeisters". Daraus ersieht man, was eine Frauenbeauftragte in einer Stadt wie Fulda zu tun hat und welch ein Unsinn daraus entstehen kann.Ich persönlich finde es bedauerlich, daß die Deutsche Bischofskonferenz die "Bereinigung" des "Gotteslob" beschlossen hat und alle Texte, in denen nur "Brüder" vorkommen durch die sog. "inklusive Sprache" ersetzen läßt. Früher wußten sich Frauen durch das Wort "Brüder" nie ausgeschlossen, weil sie im tiefsten wußten, daß der Gedanke, der im Epheserbrief ausgesprochen wird, eine allgemein gültige theologische Wahrheit ist: wir haben alle Teil an der Sohnschaft durch Jesus Christus (vgl. Eph.1,5), weil wir alle in IHN, den Sohn, einverleibt sind! Und deswegen dürfen wir uns in Christus wiedererkennen! Insofern hat es durchaus Sinn, sich als "Brüder" anzusprechen, wobei die Frauen durchaus nicht ausgeschlossen sind! Das Paradoxon, daß die Braut-Kirche (weiblich) aus Gliedern besteht, die in Christus einverleibt sind und an seiner Sohnschaft (männlich) Anteil haben, offenbart eher das Mysterium der Ekklesia! Die Strategie, die von radikalen Feministinnen verfolgt wird, sieht vor, über die Sprachregelung eine Bewußtseinsänderung zu erreichen. Männliche Begriffe sollen möglichst neutralisiert werden. In Zukunft soll es nicht mehr heißen "der Lehrer", sondern "das Lehrer", nicht mehr "der Bürger", sondern "das Bürger"; nicht mehr "der Professor" oder "die Professorin", sondern "das Professor". Aber was macht man z.B. mit einem Wort wie "die Menschheit"? Hier ist ja unter einem weiblichen Pronomen die ganze Menschheit inbegriffen! Dann müßte es folgerichtig auch "das Menschheit" oder "das Kirche" heißen! Man geriete in den undurchdringlichen Dschungel der Unmöglichkeiten und Wortverkrampfungen, wenn man diese Indoktrination über die Sprache mitmachen wollte. Die Sprache hat eben ihre eigenen, oft unlogischen Gesetze, die eher Ausdruck ihrer Lebendigkeit und Dynamik sind, als irgendeiner weltanschaulichen Doktrin! So wird z.B. ein pubertierendes Mädchen in der männlichen Form als "der Backfisch" angesprochen, und nicht als "die Backfischin". Eine männliche Biene bezeichnet man als "die Drohne". Soldaten, die auf ihrem Posten stehen, nennt man "die Wache"! Wer immer von "Bürgerinnen und Bürgern" spricht, müßte konsequenterweise auch "Bürgerinnen- und Bürgersteig" sagen. Wer von "Christenheit" spricht, müßte ebenso konsequent sagen " Christinnen- und Christenheit"...So könnte man endlos fortfahren und käme von einem Schwachsinn zum anderen. Folgender Bonmot versucht den Unsinn der feministischen Diktion bloßzulegen: "Die Christinnen und Christen wurden im ersten Jahrhundert von den Heidinnen und Heiden den Löwinnen und Löwen zum Fraße vorgeworfen." Dürfen wir die Deutsche Sprache und das deutsch Sprachempfinden so vergewaltigen, daß wir einfach alles auf den Kopf stellen? Sind unsere Bischöfe wirklich gut beraten, wenn sie sich auf dieses feministische Glatteis bringen lassen? Verlassen denn wirklich unsere Frauen die Kirche, weil sie sich plötzlich (seit wann?) nicht mehr in der Kirchensprache wiederfinden? Die Sprache ist immer etwas Lebendiges und Intuitives! Bis in unser Jahrhundert hinein war sie nie das Mittel der ideologischen Indoktrination. Immer war sie Ausdruck des menschlichen Geistes, doch niemals - umgekehrt - das Formprinzip des menschlichen Bewußtseins! In Amerika gibt es schon längst eine "feministische Bibelübersetzung"! Als unlängst der Neue Weltkatechismus erschien, hat es in den USA mehr als ein Jahr gedauert bis dieses Buch gedruckt werden konnte, weil die Übersetzer den französischen Urtext in die feministische Sprache übertragen hatten und z.B. nicht von "Gott" als männlicher Person, sondern ganz allgemein von "Gottheit" sprachen. Mit Recht hat die Glaubenskongregation gegen diese Umdeutung offenbarter Sprache protestiert. 6. Das Marianische PrinzipDer Feminismus weiß natürlich mit Maria, der großen adventlichen Gestalt, nicht viel anzufangen. Es gibt nur ein einziges positives Kennwort, das die Feministinnen an Maria finden und ganz in ihrem Sinne gebrauchen, nämlich den Maginificat-Vers (Lk 1,52) "Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen".An dieser Schriftstelle knüpfen sie an, um zu verdeutlichen, daß hier der Aufruf zu einer revolutionären Gesellschaftsveränderung gefunden werden kann. Alles andere, was über Maria ausgesagt ist, sei mehr oder weniger von männlichen Redakteuren verfaßt, die die Heilige Schrift verunstaltet haben. Eine dienende Rolle sei eine Vergewaltigung dieser großen Frau. Sie als "Magd des Herrn" hinzustellen, sei der "höchste Sieg der Männlichkeit". Was heute von manchen Theologen als schriftgemäße Begründung für das Priesteramt der Frau zitiert wird, ist die bekannte Stelle im 3. Kapitel des Galaterbriefs (V.28), in der es heißt: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid 'einer' in Christus Jesus." Diese Stelle steht - dem ideologisch nicht verbildeten Leser wird dies auf den ersten Blick klar - überhaupt nicht in dem Zusammenhang, in den sie heute oft gestellt wird, sondern ist allein aus der Tauftheologie zu verstehen. Denn der Epheserbrief verdeutlicht, daß alle, die aus Christus neu geboren sind, an derselben Heiligungsgnade teil haben, weil sie alle Glieder desselben Christus sind. Von daher gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Sklaven und Freien, Männern und Frauen, Juden und Heiden. Denn wir alle sind von demselben Heiligen Geist erfüllt. Wenn wir die Gottesmutter als die größte Heilige verehren, dann bringen wir damit zum Ausdruck, daß die Heiligungsgnade, die Maria so groß und so schön gemacht hat, etwas völlig anderes ist als das Amt, das Christus den Jüngern zum Dienst an der Kirche überträgt. Hier liegt eine fatale Verwechslung vor. Im Epheserbrief wird sehr deutlich und tiefgründig die Theologie von der Kirche entwickelt: Christus als der Bräutigam, die Kirche als Braut. Diese Zuordnung von Bräutigam und Braut macht das Geheimnis der Kirche aus. Die Kirche selbst wird in ihrem Wesen repräsentiert durch die Frau. So hat es Gertrud von Le Fort treffend beschrieben, wenn sie sinngemäß sie in ihrem Buch "Die ewige Frau" schreibt, die Frau habe eine Schlüsselstellung im Heilsplan Gottes. Das tiefe Geheimnis der Kirche wird durch sie repräsentiert. Gerade dadurch dient sie dem Aufbau des Leibes Christi. Und dann wörtlich: "Neben diesen Aussagen verschwinden alle anderen Versuche der metaphysischen Bedeutung des Weiblichen als bloßes Nachhallen der Theologie oder als religiös inhalts- und bedeutungslos." Damit kommen wir auf das zurück, was über das Frausein im Schöpfungsplan entsprechend der Ordnung Gottes zu sagen ist. Worin liegt das typisch Weibliche begründet? Im Blick auf die Gottesmutter stellen wir fest, daß in der Ordnung des Geschöpflichen und in der Ordnung der Gnade die Frau eine besondere Rolle und Berufung hat, - ja wir dürfen sogar sagen: sie hat ein besonderes Wesen. Denn alles Geschöpfliche ist eigentlich aus Gnade, hat sich weder selbst organisiert noch selbst geschaffen. Es verdankt sich ganz seinem Schöpfer und empfängt sein Geschöpfsein beständig von Gott. Während das Schaffen, das Gestalten, die Kreativität, das eigentlich Männliche ist, ist dem Weiblichen mehr das Empfangen und Bewahren zugeordnet. Diese – weibliche - Haltung ist die wesentliche Eigenart alles Geschöpflichen vor Gott, - auch des Mannes! Der Mann ist im letzten auch Geschöpf und muß sich als solches vor Gott erkennen! Nur in dieser Demut des Geschaffenseins kann er der Frau wirklich begegnen. Die Frau aber zeigt ihm durch ihre Haltung, was es heißt, vor Gott in rechter Weise zu leben. Sie ist Empfängnis in Person, nicht nur in ihrer Körperlichkeit, sondern auch in ihrer Seele, - ein Zustand, den der Mann mühsam wieder erlernen muß! Die ganze Schöpfung – so lesen wir in der Schrift – durchwaltet dieses "fraulich-bräutliche" Geheimnis. Die Macht des Geschöpfes liegt in der höchsten Entfaltung der dem schöpferischen Wirken Gottes entsprechenden Komplementarität, nämlich in dem demütigen Eingehen auf Seinen Willen und in der dargebotenen Mitwirkung mit Seinem Plan, der durchaus alle Kräfte des Menschen, seien es körperliche oder geistige, bis aufs äußerste herausfordern kann. Diese geistige Haltung nennt man in der Theologie das "Marianische Prinzip". Maria hatte kein Amt und keine gesellschaftliche Stellung. Ihre einzige Berufung war es, Mutter zu sein. Jesus hat einmal das Wort einer Frau aus der Menge "selig der Leib der dich getragen und die Brust, die dich genährt hat" aufgegriffen und weitergeführt, indem er betonte: "Selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Lk.11,28), die es also aufnehmen, empfangen, es bewahren und fruchtbar werden lassen. Darin entfalten sie ihre geistliche Mutterschaft. Was besagt also dieses "Marianische Prinzip" konkret?
Zum Schluß noch drei Zitate:Der bekannte Theologe Hans Urs von Balthasar bemerkt in seinem Büchlein "Klarstellungen":"Die nachkonziliare Kirche hat ihre mystischen Züge weitgehend eingebüßt. Sie ist eine Kirche der permanenten Gespräche, der Organisationen, der Beiräte, der Kongresse, der Synoden, der Kommissionen, der Akademien, der Parteien, der Pressionsgruppen, der Funktionen, Strukturen und Umstrukturierungen, der soziologischen Experimente und Statistiken: mehr denn je eine Männerkirche." Der norwegische Dichter Henrik Ibsen schreibt: "Ein Weib ist das Mächstigste auf Erden. Und in ihrer Hand liegt es, den Mann dahin zu bringen, wo Gott ihn haben will." Und ein jüdisches Midrasch erzählt: "Es geschah einmal, daß ein frommer Mann mit einer frommen Frau verheiratet war. Sie bekamen aber keine Kinder. Da sprachen sie: Wir sind unnütz vor Gott! Sie trennten sich voneinander. Er ging hin und nahm ein gottloses Weib und diese machte ihn gottlos. Sie ging hin und nahm einen gottlosen Mann und machte diesen rechtschaffen. Da siehst du, wie alles von der Frau abhängt." (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors) |
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