Predigt

Zurück zur Auswahl       diese Seite ausdrucken       Fenster schliessen



Das Geheimnis der göttlichen Mutterschaft Mariens

Die theologische Grundlage und Motivation zur Marienweihe
von Pfr. Winfried Abel


Mutterschaft bedeutet Fruchtbarkeit
Das technische Zeitalter hat vielerlei Erfindungen hervorgebracht, die Menschheit lebt in einem Fortschrittstaumel. Die Kreativität des Menschen scheint unbegrenzt zu sein. Der Mensch ist mehr denn je versucht, sich an die Stelle Gottes zu setzen. Er vergißt dabei, daß seine schöpferische Fähigkeit allein darin besteht, die bereits geschaffenen Dinge umzuformen, indem er sich der ihnen innewohnenden Gesetze bedient. Wirklich schöpferisch wäre der Mensch, wenn er ein einziges Sandkorn aus dem Nichts erschaffen oder einen einzigen Grashalm wachsen lassen könnte.

Technik und Zivilisation sind also eher ein Blendwerk. Sie vermögen der Erde kein menschliches Gesicht zu geben. Im Gegenteil: in wachsendem Maße prägen Hochmut und Machtgier die Mentalität des Menschen, je mehr er sich die Schöpfung aneignet. Der Mensch wird unberechenbar, gefühlsarm, herzlos.

Dagegen steht die älteste Form kreativer Entfaltung, in der der Mensch nicht so sehr seinen Verstand sondern sein Herz zum Einsatz bringt: die Mutterschaft. Sie nimmt alle menschlichen Kräfte in Anspruch und entspricht dem menschlichen Wesen wie kein anderes Tun. Mutterschaft ist zukunftsorientiert, optimistisch und selbstlos. Mutterschaft ist im Wesentlichen
  • empfangende Liebe,
  • bewahrende Liebe,
  • schenkende Liebe.
Urbild dieser Kreativität ist Maria. Ihre besondere Leistung ist, keine Leistung vollbracht zu haben. Sie hat nicht ihre eigenen Ideen und Wünsche verwirklicht noch irgendwelchen Erwartungen der Menschen entsprochen. Vielmehr ließ sie sich erfüllen von der einzig wahren "IN-SPIRATION" (= Ein-Hauchung): "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten" (Lk.1,35).

Wenn das menschliche Leben allein an der Fruchtbarkeit gemessen wird (vgl. Lk.7,19 u. 11,27f), dann war Maria das fruchtbarste aller Menschenkinder: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes" (Lk.1:42).
1. Empfangende Liebe
  • Der Mensch ist vor Gott wie eine offene Schale, die, um empfangen zu können, leer sein muß von allem Eigenen, Fremden und Verunreinigendem.
  • Der Mensch ist auf das Hören hin geschaffen, denn "im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott" (Joh.1,1). Also ist der Mensch Hörender und Ant-wortender.
  • Maria ist das fleischgewordene Prinzip der "offenen Schale", die durch keinen Unrat befleckt oder verunreinigt ist. Sie ist leer von allem, was nicht Gott ist. Darum kann der Engel zu ihr sagen: "Du bist voll der Gnade" (Lk.1,28)!: Unbefleckte Empfängnis!
  • In Maria ist also das Wesen des Gebetes verkörpert. Beten heißt: Gott spricht und der Mensch hört.
2. Bewahrende Liebe
Wenn Gott dem Menschen begegnet, dann geht er nicht grüßend an ihm vorbei, sondern kehrt bei ihm ein, um bei ihm zu bleiben (vgl. Lk.24,29 u. Offb.3,20).

Gott sucht den Menschen in seinem Innersten auf, um sich mit ihm zu vereinen und ganz mit ihm zu verschmelzen (~"Innerlichkeit").

Wenn der Mensch den Unbegreiflichen bei sich aufnimmt, dann wirkt und wandelt Gott im Menschen und er verwandelt ihn. Des Menschen "Tätigkeit" ist dabei das "Assimilieren" Gottes in seinem Leib und in seiner Seele, so wie die Blume sich der Sonne zuwendet und ihre Strahlen assimiliert.

Dieser Vorgang ist im geistlichen Leben die Kontemplation.

Das Geheimnis Gottes darf nicht durch den menschlichen Verstand "gefiltert" werden (~Hochmut), sondern will im Herzen erwogen sein (~Demut).

So tat es Maria. Immer wieder lesen wir: "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach" (Lk.2:19 u. 2,51).

Jesus hat diese Haltung selig gepriesen: "Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Lk.11:28) oder (hier bezogen auf Maria von Bethanien): "Nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden" (Lk.10:42).

Die Frucht der Kontemplation ist die
3. Schenkende Liebe
Maria ist die unter Schmerzen Gebärende, weil sie sich unter Schmerzen ihres Sohnes entäussert – für uns!

Wenn Jesus von seinem Vater sagt: " Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh.3:16), - dann können wir dasselbe von seiner Mutter sagen: "Maria hat die Welt so sehr geliebt, daß sie ihren einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat".

In IHM hat sie uns alles geschenkt! (vgl. Röm.8,32).

Da in Christus die Fülle der Gottheit war (vgl. Kol.1,19), hat Maria uns diese Fülle geschenkt. Darum wird sie mit Recht genannt "Mutter oder Mittlerin aller Gnaden", - wenn hier auch "Mittlerschaft" in einem anderen Sinn (nämlich mit-wirkend) als Jesus (be-wirkend) verstanden wird.
Was bedeutet Marienweihe?
Aus dem bisher Angedeuteten geht hervor, daß der Jünger Jesu auch ein Jünger Mariens sein muß. Nur so kann er die Spiritualität der dreifaltigen Fruchtbarkeit (empfangen – bewahren – schenken) erlernen.
  • In der Weihe schließt sich der gläubige Christ der Mutterschaft, also der Fruchtbarkeit, Mariens an und nimmt teil an ihrer "Kreativität". Wie Maria macht er sich auf den Weg (Lk.1,39) und bringt Jesus zu den Menschen.
  • In der Weihe gibt er sich wie ein Kind an die Hand seiner Mutter und lernt von ihr die ersten Schritte ins geistliche Leben. Diese Schritte führen immer zu Jesus. Darum beten wir so oft: "Führe uns zu deinem Sohn, empfiehl uns deinem Sohn, stelle uns vor deinem Sohn!"
  • In der Weihe stellt sich der Jünger Jesu unter die Fürbitte derer, die wie Esther Zutritt zum Gemach des Königs hat und alles erbitten darf (vgl. Est.5).
  • In der Weihe stellen wir uns in den Machtbereich der Frau, die der Schlange den Fuß zertreten hat. Wir werden zu Überwindern.
  • In der Weihe werden wir durch Christus mit Maria "in den Himmel erhoben".


(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors)
...nach oben


Zurück zur Auswahl       diese Seite ausdrucken       Fenster schliessen



Diese Seite gehört zu www.dominus-jesus.de