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Ist Auferstehung möglich?von Pfr. Winfried AbelGerade in diesen Tagen kam im "Spiegel" ein evangelischer Theologe zu Wort, der wissenschaftlich nachgewiesen hat, daß Christus weder eine göttliche Natur hatte noch von den Toten auferstanden ist. In dieser Professorenmeinung finden sich viele unserer Zeitgenossen wieder, sogar erschreckend viele Christen. Mancher Kirchgänger versteht sich als gläubiger und engagierter Christ; über das Weiterleben nach dem Tod hat er aber seine eigene Meinung: Genaues weiß man schließlich nicht, die Existenz des Himmels gehört wohl eher in das Reich der Mythen... Solche Christen könnte man - theologisch gesprochen - als "Jesuaner" bezeichnen: sie glauben an den geschichtlichen Jesus von Nazareth, an sein vorbildhaftes Leben, an seine revolutionäre und richtungsweisende Botschaft, ja sogar an seine bewundernswerte Kreuzeshingabe; sie glauben aber nicht an den "Christus", den menschgewordenen Gottessohn, den Erlöser und Retter der Welt. Diesen verweisen sie eher in das Reich der Mythen. Folgerichtig kann es auch keine Auferstehung von den Toten geben. "Auferstehung" deuten sie vielmehr als das Weiterleben einer Idee, der sie sich mit Engagement verpflichtet wissen, der sie zutrauen, daß sie die Welt verändern kann. Die alles verändernde Sauerteigkraft des ewigen Lebens kennen sie nicht. Diese neue Sicht des Evangeliums entspricht zwar ganz und gar dem kritisch-rationalistischen Denken des modernen Menschen, aber nicht der Botschaft der Kirche, der Lehre der Hl. Schrift und der Glaubenserfahrung einer Unzahl von Menschen. Wenn es schon für Menschen, die dem prophetischen Amt der Kirche nicht mehr trauen, schwer ist, die Worte der Heiligen Schrift als lebendiges Sprechen Gottes - hier und heute - zu begreifen, so sollten sie doch ihrer eigenen Seele trauen, die eine unmißverständliche Sprache spricht. Der Inder Sundar Singh drückt dies etwa so aus: "Wenn das Küken im Ei erklärte, daß außerhalb seiner Schale nichts existierte, und seine Mutter ihm antwortete: 'Nein, draußen gibt es Berge, Blumen und einen blauen Himmel', und das Küken seiner Mutter sagte: 'Du redest Torheit, ich sehe ja nichts von all dem', und dann würde plötzlich die Schale brechen und das Küken würde verstehen, daß seine Mutter recht hatte. Auch wir sind gleichsam in der Schale und sehen nicht den Himmel. Aber eines Tages wird sie zerbrechen, und dann werden wir sehen. Gleichwohl gibt es Beweise: Für das Küken in der Schale sind seine Augen und seine Flügel genügend Beweise für ein künftiges Leben. Das Auge ist geschaffen, um zu sehen, aber was kann es in der Schale sehen? Die Flügel sind geschaffen zum Fliegen, aber wie kann es in der Schale fliegen? Es ist ganz klar, daß die Augen und die Flügel nicht für ein begrenztes Leben in der Schale gemacht sind. In gleicher Weise gibt es viele Sehnsüchte und Triebe, die hier nicht befriedigt werden können. Es ist also notwendig, daß wir eine Gelegenheit haben, sie zu erfüllen: das ist der Himmel..." Sundar Singh spricht also von der tiefsten menschlichen Sehnsucht, die jeder Menschenseele eingeschaffen ist wie das Fernweh eines Zugvogels. Um dieser Sehnsucht willen werden alle Verbrechen begangen und alle Kriege geführt. Um dieser Sehnsucht willen werden Berge bestiegen und die Tiefen der Meere erforscht. Alles menschliche Tun entspringt der tiefen Sehnsucht nach Gott. Darum sagt der Kirchenvater Augustinus: "Suche, was du suchst, aber nicht dort, wo du suchst." Und der Dichter E. Cardenal schreibt: "Gott ist die Heimat aller Menschen. Er ist unsere einzige Sehnsucht. Gott ist im Innersten aller Kreatur verborgen und ruft uns. Das ist die geheimnisvolle Ausstrahlung, die von allen Wesen ausgeht. Wir hören seinen Ruf in der Tiefe unseres Wesens." Hier wird sogar die Logik der Atheisten zur Unlogik: wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, muß den Menschen zu einem absurden Wesen und das menschliche Leben zur größten kosmischen Tragödie erklären. Die ungestillte Sehnsucht, das kurze irdische Dasein, der begrenzte Genuß der materiellen Güter sind tragisch genug. Noch schwerer wiegen die ungezählten Leiden dieser Welt, vor allem das Schicksal der unschuldigen Menschen! Und was das Schlimmste wäre: der Mensch ist das einzige Wesen auf dieser Erde, das über sich selbst nachdenken kann. Der Verstand müßte ihn in den Wahnsinn treiben. Der berühmte jüdische Schauspieler Ernst Ginsberg bekennt: "Ich glaube, der erste Schritt zum Religiösen überhaupt ist das Erlebnis des erschütternden Geheimnisses, in das unser ganzes Sein gebettet ist: Geburt, Liebe und Tod. Ich habe seit meinen Knabenjahren in keiner Phase meines Lebens jene nüchternen Rationalisten begreifen können, für die ein Grashalm ein Grashalm, ein Tisch ein Tisch und ein Herz ein Herz ist, ohne daß sie von dem völlig unfaßlichen Rätsel, das in allem atmet, angerührt werden...Es scheint mir, daß das Glücksverlangen und die Glücksvorstellungskraft jedes Menschen so weit über das hinaus gehen, was selbst das glücklichste Leben, geschweige ein unglückliches, zu erfüllen vermag, daß es eine für mich unvorstellbare Grausamkeit Gottes wäre, eine so gewaltige und irdisch unerfüllbare Sehnsuchtskraft in das Menschenherz zu legen, wenn dieser Sehnsucht nicht eine Wirklichkeit nach dem Tode Genüge leistete." Das ist die unmißverständliche Sprache unserer Seele. Jeder Mensch kann sie verstehen. Sie ist die Uroffenbarung Gottes in den Herzen aller Menschen. An diese selbsterfahrene Wahrheit kann die Verkündigung vom Leben nach dem Tod anknüpfen. Und diese Verkündigung wird uns gegeben durch den, der sich selbst "die Auferstehung und das Leben" nennt: Jesus Christus. Lassen Sie mich diese wenigen Gedanken mit den Worten beschließen, die uns vor wenigen Tagen der ehemalige Bischof von Fulda, Eduard Schick, anläßlich seines 90. Geburtstags als sein geistiges Testament ins Gedächtnis geschrieben hat: "Ein allerletztes Wort an euch aus dem Mund unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus: 'Habt Mut, ich habe die Welt besiegt' (Joh.16,33). Und das ist am nächsten Tag geschehen - nicht durch eine gewaltige Aktion, sondern durch eine furchtbare Passion, die irdischen Augen als eine totale Vernichtung erschien. Der Gedanke daran müßte uns über alle Enttäuschungen hinweghelfen. Christus hat seine Kreuzigung als Anfang seiner Verherrlichung verstanden. Als Auferstandener hat er sich drei Tage später bei den Erscheinungen in der Seinsweise unserer für die Ewigkeit umgerüsteten menschlichen Natur geoffenbart und in der vollendeten Form der ganzen Schöpfung. Denn deren Vergänglichkeit geht nicht am Ende im Nichts unter, sondern sie wird, wie es die Apokalypse mit glühenden Bildern beschreibt, durch die Herabkunft des Himmels Gottes verewigt. Auf dieses Endziel hin Welt und Menschen vorzubereiten, das sei die einmalige, höchst ewigliche Berufung, die es auf Erden geben kann, mit der uns Gottes Gnade beschenkt hat. Unser übernatürlicher Stolz kann nicht groß genug sein. Es ist ein absoluter Stolz in tiefer menschlicher Demut." (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors) |
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